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700 Jahre Schulgeschichte i

Salzwedel (cs). Zukunft braucht Herkunft. Dass diese Herkunft was die Schulgeschichte betrifft, eng mit der Kirche verbunden ist, machte am Samstag ein Kolloquium am Jahngymnasium Salzwedel deutlich, dass an 700 Jahre Schulgeschichte in der Hansestadt erinnerte. Die Vereinigung der Ehemaligen des Jahngymnasiums hatte dazu eingeladen und über 80 Gäste lauschten in der Aula den Ausführungen der drei Referenten.
Zum Auftakt erinnerte Dr. Günter Schulze an die erste urkundliche Erwähnung einer Lateinschule im Jahre 1307 nahe der St. Marienkirche. 1315 wurde auch die Lateinschule an der Katharinenkirche erwähnt. Doch mit einer Volksschule wie wir sie heute kennen, hatten die Lateinschulen wenig gemeinsam. Es war die Zeit des Spätmittelalters. Die Kirche regelte das Leben und die Schulen standen wie die gesamte Kultur im Dienste der Kirche. Sie waren in der Altstadt der Propstei und in der Neustadt dem Pfarramt unterstellt, die Aufsicht führten die Pfarrer. ,,Deshalb beschränkte sich der gesamte Unterricht auf Lesen, Schreiben, Religion, Latein und vor allem Musik, um Sänger für die Gottesdienste heranzubilden“, verdeutlicht Dr. Schulze. Harte Zucht und strenge Disziplin prägte den Alltag und die Schüler gehörten auch, aber nur indirekt, zum Klerus. Die erwachsenen Schüler hießen später Pädagogi – also Erzieher und beaufsichtigten und unterrichteten ihrerseits jüngere Knaben. Historische Quellen belegen, dass neben der Kirche auch die Bürger der Stadt die Schulen auf vielfältige Weise unterstützten. Ungeachtet dessen bescheinigt Dr. Schulze den Schulen im Jahrhundert vor der Reformation in ,,einem trostlosen Zustand“ zu sein.
Die Veränderung, die sich durch die Reformation im Schulwesen vollzog, erhellte der Berliner Dekan Hans-Jörg Ehrke. Er erinnerte an ein Sendschreiben der Reformatoren an die Ratsherren aller Städte, dass das biblische Recht aller Kinder auf Bildung und Erziehung einforderte. ,,Doch noch lange Zeit bleiben die Lehrer zugleich Geistliche“, verdeutlicht Ehrke. Dennoch, so sein Fazit, habe die Reformation das Bildungswesen aus der geistlichen Umklammerung befreit und die Stadtschule ihrer eigentlichen Bestimmung, der umfassenden Bildung der Jugend näher gebracht.
Ingelore Fischer lenkte in ihrem Vortrag den Blick der Zuhörer nicht nur auf die bildungspolitischen Veränderungen sondern auch auf die Geschichte des Baues und Nutzens der Schulhäuser, die bis zur Gegenwart das Stadtbild Salzwedels prägen. Sie erinnerte, dass es Luther war, der in seinen Predigten dazu aufgerufen habe ,,Gute Sprüche auch mit Buchstaben an die Häuser zu schreiben“ und zitierte dazu einen biblischen Bezug aus 5.Mose 6, Vers 5-9. ,, Doch dazu mussten die Bürger erst einmal schreiben können“, so Fischer. Mit Blick auf die festgeschriebenen Worte in Holz und Stein stellte sie fest, dass nicht nur Salzwedel sondern der gesamte mittel- und norddeutsche Raum ,,wie eine aufgeschlagene Lutherbibel mit den dazugehörigen Liedversen oft historische Stadtviertel präge“.
Für den gelungenen Abschluss des Kolloquiums sorgte Stadtführer Manfred Lüders. Mit außergewöhnlichem Detail- und Geschichtswissen sowie kleinen Anekdoten machte er die Gäste auf das facettenreiche Bild der Hansestadt aufmerksam und rundete so die Erinnerung an 700 Jahre Schulgeschichte würdig ab.

12.01.2008

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